Sommertour 2022

Vom 01.-05. August 2022 habe ich mich in Hamburg umgeschaut. Im Mittelpunkt dieser Sommertour steht die Lebensmittelerzeugung in Hamburg. Denn die Auswirkungen der Klimakrise, des russischen Angriffskriegs in der Ukraine und der Inflation sind überall angekommen – auch in der regionalen Lebensmittelproduktion.

Ich habe mir daher diesen interessanten Wirtschaftszweig angesehen und mir im direkten Gespräch einen Eindruck von der Lage unserer Hamburger Produzent*innen gemacht. Für uns Grüne ist längst klar, dass die Lebensmittelerzeugung stärkere Wertschätzung benötigt und wir hohe ökologische Standards sowie einen stärkeren Schutz des Tierwohls brauchen. Das gelingt in vielen Fällen besonders gut, wenn regional und mit klimafreundlichen Transportwegen in der Nähe der eigenen Haustür produziert wird. Natürlich spielt auch die soziale Komponente hier eine wichtige Rolle. Die globale Lebensmittelversorgung steht vor großen Herausforderungen. Auch in unserer Hansestadt sorgen steigende Preise für große Probleme.

Ich danke allen Stationen für die spannenden und wichtigen Einblicke und das herzliche Empfangen!

  1. Hamburger Tafel
  2. Getreidehof Behrmann
  3. Fischereiverband
  4. Milchhof Reitbrook
  5. Gartenbau Albers

1. Hamburger Tafel
Daher beginnt meine Tour heute auch bei der Hamburger Tafel. Sie hat schon lange mit einer starken und jetzt steigenden Nachfrage zu kämpfen, während es zugleich immer schwieriger wird, genügend Lebensmittel zu beschaffen. Hier sehe ich uns Politiker*innen in der Verantwortung, für Entlastung zu sorgen, um den Druck auf ehrenamtliche Einrichtungen zu reduzieren.

Mit hunderten Ehrenamtlichen erreicht die Hamburger Tafel über 30.000 Bedürftige. Mit nur sechs Festangestellten werden so um die 90 Tonnen Lebensmittel pro Woche bewegt. An 31 festen Orten werden Lebensmittel weitergegeben, die in Supermärkten sonst vermutlich vernichtet würden. Eine komplexe logistische Meisterleistung, die zudem mit hohem Anspruch verbunden ist – und ich treffe den Geschäftsführer Jan Henrik Hellwege.
Aufgrund steigender Nachfrage der letzten Jahre muss die Tafel leider einen Aufnahmestopp vollziehen. Der Bund ist klar gefordert, die Situation unter dem noch zunehmenden Preisdruck über gezielte Entlastungen zu stabilisieren, um die Verantwortung von diesen ehrenamtlichen Strukturen zu nehmen.

2. Fischereiverband Hamburg
Aktuell ist auch die Herausforderung für den regionalen Fischfang groß – selbst in der Wasserstadt Hamburg. Die Elbfischerei hat Tradition in Hamburg, ist aber bereits sehr zusammengeschrumpft angesichts globaler Preisentwicklungen. Hinzu kommen massive Veränderungen durch unsere Eingriffe in das Ökosystem, die sich auf die Fischbestände auswirken. Die veränderte Fließgeschwindigkeit durch die Elbvertiefung führt zu Verschlickungen in der Tideelbe, die vor allem Brutbereiche stark beeinträchtigen und das Sauerstoffloch lässt viele Tiere ersticken.
Langfristig braucht es Entlastungen, wie sie bereits im Tideelbeforum andiskutiert wurden und den stärkeren Fokus auf den Schutz der ökologisch wichtigen Bereiche.

3. Milchhof Reitbrook
Um 3 Uhr (!) geht es los auf dem Hof mit dem Abfüllen der Milch auf dem Milchhof Reitbrook, ab 5 Uhr wird gemolken und dann trudeln die Fahrer*innen ein, die die frischen Lebensmittel zu den Kund*innen bringen.
Neben den etwa 150 Kühen, die täglich Milch geben, leben auch die Jungtiere auf dem Hof.
Nach durchschnittlich sechs Jahren endet das Milchkuhdasein und taucht in unserem Alltag in Form von nicht besonders wertigem Fleisch wieder auf, bspw. Als Fastfood. Das Futter für die Tiere stammt von den benachbarten Feldern.
Dies ist ein landwirtschaftlicher Kreislauf der Wertschöpfungskette, der sich in unserer Weltstadt unmittelbar erleben lässt.
Auch hier schlägt die Energiekrise hier zu: Unter anderem für die Produktion und Sterilisation wiederverwertbarer Verpackungen wird Wärme benötigt.

4. Vierländer Hof
Zum Abschluss der Sommertour war ich beim Gartenbau Albers. Auch hier gibt es drängende Herausforderungen, die durch den Angriffskrieg Russlands entstanden sind. Auch die lokale Gartenbau-Branche hat es momentan schwer: Steigende Materialkosten, Gaspreise und Löhne sind einige Faktoren, die sich auch preislich auswirken. Umso wichtiger ist es, dass Regionalität und Fortschrittlichkeit weiterhin auch im Gartenbau unterstützt werden.

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